GARE DE LYON – PARIS

Gares en Europe - Paris

Er ist einer der bedeutendsten Bahnhöfe Europas und der jüngste der großen Pariser Bahnhaltestellen. Fast hätte Frankreich den Beginn des Eisenbahn-Zeitalters verschlafen. Während man in Zentralfrankreich, im Süden und im Elsass bereits Anfang des 19. Jahrhunderts sich der Eisenbahn bediente, bewegten sich die Pariser noch immer in Kutschen, ihre Ware transportierten sie auf Kanälen. Besonders die Kanalbetreiber waren gegen eine Ausbreitung der Eisenbahn und die französische Regierung sah die Eisenbahn lediglich als unterstützendes Transportmittel zu den Kanälen. Am 26. August 1837 erhält die Hauptstadt die erste Zugverbindung. Die 19 Kilometer lange Strecke reicht vom Pariser Gare Saint-Lazare ins westlich gelegene Saint-Germain-en-Laye. Schon in den ersten zwei Jahren werden über eine Million Passagiere befördert. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird Paris zur Stadt der großen Bahnhöfe.

Bis zum Zweiten Weltkrieg gibt es in Frankreich keine gesamtfranzösische Eisenbahngesellschaft. Einzelne private Unternehmen bedienen und bewirtschaften einzelne Landesteile und unterhalten in Paris ihre eigenen Bahnhöfe. Jede Gesellschaft hat ihre eigene Kultur, ihren eigenen Esprit: Jene des Nordens gilt als versnobt, weil sie reiche Engländer transportiert. Jene des Ostens scheint „militarisiert“ zu sein. Den schlechtesten Ruf hat die Gesellschaft des Westens mit ihren finanziellen Problemen und ihren Verspätungen. Die PML gilt zunächst als „katholisch und ländlich“, da sie anfangs vor allem das Zentralmassiv bedient. Doch bald ist sie die Gesellschaft der Könige, Prinzen und Prinzessinnen. Die Reichen und Schönen zieht es an die Côte d’Azur und in die Alpen. Doch der Pariser Bahnhof, von dem aus die Züge verkehren, ist schäbig. Als sich Frankreichs Hauptstadt auf die Weltausstellung von 1900 vorbereitet wird gebaut. Die PLM ergreift die Gelegenheit und offeriert sich einen neuen Gare de Lyon – einen stolzen Prunkbau im Belle-Epoque-Stil. So entstand ein Monument der Eisenbahnarchitektur, entworfen von Marius Toudoire, mit einer 100 m langen, von Allegorien gezierten Fassade und einem 64 m hohen Uhrenturm. Einer Kopie des Londoner Big Ben. Er soll dazu beitragen, dass die ankommenden britischen Touristen sich heimisch fühlen. Gleichzeitig zur Weltausstellung von 1900 entstehen das Grand Palais, das Petit Palais, die Brücke Alexandre III. sowie der Gare d’Orsay.