BERLINER, FILMSTAR, WELTENBUMMLER – HARDY KRÜGER

 

Der Schauspieler, Schriftsteller und Hobby-Flieger Hardy Krüger wurde am 12. April 1928 als Franz Eberhard August Krüger und Sohn des Ingenieurs Max Krüger in Berlin-Wedding geboren. Ab 1941 besuchte er das NS-Elite-Internat „Adolf-Hitler-Schule“ auf Burg Sonthofen, wollte eigentlich wie sein Vater Ingenieur werden. Doch es sollte anders kommen, 1943 wurde der junge Krüger von Alfred Weidenmann für den Wehrmachts-Werbefilm „Junge Adler“1) (1943/44) ausgesucht, nach seinem erfolgreichen Auftritt als 15-jähriger Pimpf Bäumchen, wollte ihn Wolfgang Liebeneiner schon damals bewegen, eine Filmkarriere einzuschlagen, was Krüger jedoch zunächst ablehnte. 1949 schlug Krüger endgültig eine filmische Laufbahn ein, mit netten Rollen in unterhaltsamen Streifen wie „Das Fräulein und der Vagabund“ (1949), „Diese Nacht vergess ich nie“ (1949), „Käthchen für alles“ (1950), „Das Mädchen aus der Südsee“ (1950) oder „Mein Freund der Dieb“ (1951) geriet auch Krüger bald zum Publikumsliebling. Da Krüger mit den ihm in Deutschland angebotenen Rollen nicht zufrieden war, ging er Mitte der 50er Jahre für ein Jahr nach London und Paris. Nach dem Kassenschlager „Liane, das Mädchen aus dem Urwald“ (1956) mit Marion Michael hatte er eine Beteiligung an weiteren „Liane“-Filmen „aus künstlerischen Gründen“ abgelehnt, wechselte das Genre und war in den kommenden Jahren vermehrt als „positiver Held“ in Kriegs- oder Gangsterfilmen, aber auch ambitionierten Produktionen wie Helmut Käutners Shakespeare-Adaption „Der Rest ist Schweigen“ (1959) zu sehen.

1961 Co-produziert Hardy Krüger den Kinofilm „Zwei unter Millionen“. Drehort ist Berlin. Bei dieser filmischen Liebeserklärung an Berlin überholte hingegen die politische Situation des Mauerbaus die Filmgeschichte eines jungen Paars aus dem Osten, das in der noch offenen Stadt zueinander findet. Überrollt durch die Ereignisse am 13. August 1961 verliert sein Film am gleichen Tag an Bedeutung. Weltweite Anerkennung erlangte Krüger als einer der wenigen deutschen Filmschauspieler in einer Reihe von international erfolgreichen Produktionen, die unter so namhaften Regisseuren wie Joseph Losey, Stanley Kubrick, Howard Hawks, Alessandro Blasetti oder Visconti entstanden und wo er an der Seite von Stars wie John Wayne, Claudia Cardinale oder Sean Connery glänzen konnte. Losey besetzte ihn in dem Thriller „Blind Date“ (1959, Die Tödliche Falle), in Howard Hawks‘ „Hatari“, einem der besten und unterhaltsamsten Abenteuerfilme aus dem afrikanischen Busch, agierte er 1961 neben John Wayne und Elsa Martinelli. Hollywoodstars wie James Stewart, Peter Finch und Richard Attenborough waren neben Krüger die Protagonisten in Robert Aldrichs „The Flight of the Phoenix“ (1965, Der Flug des Phönix).

Erst Anfang der 70er Jahre hatte Krüger wieder vereinzelt Aufgaben für den deutschen Film übernommen, eine erste Arbeit für das Fernsehen war der dreiteilige Straßenfeger „Das Messer“ (1971) nach Francis Durbridge. Ein ganz anderes Betätigungsfeld fand Krüger ab Mitte der 80er Jahre auch als Drehbuchautor beim Fernsehen. 1986 schrieb er für die NDR-Serie „Geschichten aus der Heimat“ die Story „Sonnenschauer“ und spielte in dieser Folge auch die Hauptrolle. Neben Romy Schneider und Gert Fröbe zählt Krüger zu den wenigen Weltstars, die aus dem berühmten deutschen Nachkriegsfilm hervorgegangen sind. Der Junge mit dem offenen Lachen und dem blonden Haarschopf wurde im Film der 50er Jahre immer als charmanter Leichtfuß eingesetzt. Doch seine gesunde Skepsis gegenüber der Generation der Väter mündete bald in Auflehnung. Montgomery Clift war sein Vorbild, ein widerspenstiger Held, der mit dem Kopf durch die Wand wollte. So boxte sich Krüger im internationalen Kino nach oben, als Draufgänger und bärtiger Weltenbummler, für den das Abenteuer zum Alltag wurde.

2003 | 30 min | IMAX  | 4:3

Buch und Regie:

Produktion:

 

ERSTAUSSTRAHLUNG:  12. April 2003, auf  RBB

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