ST. PANCRAS – LONDON

Jeremy JP Fekete / Cathedrals of steam - Europes first Railway stations

 

Der St. Pancras Bahnhof war die letzte große Eruption der „Railway Mania“ des Industriezeitalters. Als die reiche Midland Railway mit einer eigenen Verbindung in die Hauptstadt drängte, reichte ihr die Duldung auf dem fremden Gleis von Euston Station nur zu Anfang aus. Die zweite Weltausstellung 1862 rief nach einem Neubau. Land dazu gab es rund um die Kirche von Saint Pancras und durch den Abriss von Saint Luke und der benachbarten Slums. Die Toten auf dem Friedhof wurden umgebettet, und der Bahnhof wurde gebaut. Der Ingenieur William Henry Barlow schuf aus Gusseisen und Glas die 210 Meter lange Bahnhofshalle mit einer Spannweite von 74 Metern. Allein die Bahnhofshalle mit ihrem einzigen, 74 Meter breiten Bogen war ein Meisterwerk der Baukunst. Der Kirchenarchitekt George Gilbert Scott, damals längst eine Berühmtheit, gewann den Wettbewerb für die Straßenfront aus Verwaltungsgebäude und Midland Hotel. Die Eisenbahn holte den Stein für den Bau aus den Midlands: Sandstein, roter und grauer Granit, vor allem Backstein, das formbare Traummaterial der viktorianischen und mehr noch der edwardianischen Epoche. Scott schuf daraus einen Eisenbahnpalast, eine Kathedrale des Industriezeitalters mit ungezählten Türmen, Spitzen und Fialen, mit Säulen, Kapitellen, Blendarkaden auch im Innern, in dem jegliches Steinwerk wie jede Schnitzerei aufs Mittelalter hinwies und sich zugleich darüber lustig machte.

Die St. Pancras Train Station war von Anfang an etwas Besonderes. Am 1. Oktober 1868 verließ der erste Zug in Richtung Manchester das prachtvolle Ziegelsteingebäude im neugotischen Stil. Diese Reise war damals die längste Zugfahrt der Welt ohne Zwischenstopp. Heute hat der Kopfbahnhof 14 Gleise, jährlich nutzen ihn rund 22 Mio. Passagiere.